Die Ursprünge der Gesellschaft Schweiz-Lettland – In memoriam Woldemar Muischneek
Als Nebenprodukt der Jubiläums-GV 2023 haben wir eine Broschüre mit mehreren Interessanten Beiträgen von Gründungsmitgliedern der Gesellschaft Schweiz-Lettland herausgegeben. Man kann die Broschüre zur Geschichte des Vereins unten lesen. Dort wird auch die wichtige Rolle unseres Gründungs- und Ehrenpräsidenten Woldemar Muischneek erwähnt, der mit seinen hervorragenden Beziehungen zur Politik und in die Bundesverwaltung einen wesentlichen Beitrag zur Arbeit und Ausstrahlung der GSL, z.B. auch beim Fundraising für Projekte, geleistet hat. Woldemar Muischneek war einer der Initiatoren der GSL, aber er wurde auch schnell zu einem Motor, auch dank seiner Arbeit als Bundeshauskorrespondent des Badener Tagblatts, dessen Fusion mit der Aargauer Zeitung er 1996 erlebte. Im Amtlichen Bulletin des Nationalrats vom 22. Juni 2001 wird Woldemar Muischneek mit folgenden Worten in die Pension verabschiedet:
Mit dem heutigen Tag beendet Woldemar Muischneek, Bundeshausredaktor der „Aargauer Zeitung“, seine journalistische Tätigkeit. Während 26 Jahren hat er Bundesbern begleitet und gründlich analysiert. Dabei blieb es nicht nur bei der tagesaktuellen Berichterstattung. In der Wochenendbeilage des „Badener Tagblattes“, für das er 1976 nach Bern kam, hat er innenpolitische Themen immer wieder vertieft dargestellt. Wir danken Woldemar Muischneek für den grossen Beitrag, den er mit seinen ungezählten Artikeln für das Parlament geleistet hat. (Beifall)
Geboren am 8. Mai 1936 ist Woldemar Muischneek am 19. August 2026 in Spiegel bei Bern in seinem 90. Lebensjahr verstorben. Er war selbst auch ein Nachfahre von lettischen Exilanten, und dies aus der Zeit vor der sowjetischen Besetzung Lettlands, wie die verdeutschte Schreibweise seines Nachnamens zeigt (der heute Lettisch Muižnieks geschrieben würde). Unser Gründungsmitglied Hans Kammer erinnert sich in der Jubiläumsbroschüre der GSL wie folgt an unseren Ehrenpräsidenten:
Im September/Oktober 1990 und im April 1991 kam ich (…) mit Lettinnen und Letten in Kontakt, die ein Interesse an der Schweiz hatten, vor allem Mitgliedern der Gesellschaft Lettland-Schweiz, einem Verein, der 1990 von der Psychologin Rita Bebre in Riga gegründet worden war (…). Rita erzählte mir von einer geplanten Leserreise nach Riga, organisiert durch das Badener Tagblatt mit dem Motto «Gib Lettland die Hand», unter der Leitung des Schweizer Journalisten Woldemar Muischneek, vom 11. bis 19. September 1991. Diesen lettisch-stämmigen Redaktor der Zeitung habe sie gebeten, die Gründung einer analogen Gesellschaft in der Schweiz ins Auge zu fassen und sie forderte mich auf, nach meiner Rückkehr doch mit Woldemar in Kontakt zu treten. Zurück in Bern traf ich mich mit Woldemar und hatte sofort den Eindruck, dass ich mit ihm trotz z.T. unterschiedlicher politischer Vorstellungen aber auch dank seiner sehr angenehmen Umgangsformen und seiner grossen innenpolitischen Kenntnisse sehr gut würde zusammenarbeiten können. Ein Eindruck, der sich in den folgenden ca. 15 Jahren einer intensiven Zusammenarbeit glänzend bestätigte.
Die Leserreise von Woldemar Muischneek wurde sogar im Parlament erwähnt, in einem Amtlichen Bulletin der Bundesversammlung vom 28. Januar 1992, unter dem Titel der „Zusammenarbeit mit ost- und mitteleuropäischen Staaten“. Der ebenfalls dieses Jahr im Februar verstorbene ehemalige Aargauer Ständerat Willy Loretan erwähnte Woldemar Muischneeks Initiative mit dem Badener Tagblatt:
Auf die dringende Notwendigkeit eines deutlich intensiveren Engagements der Schweiz in den Baltenrepubliken wurde bereits im Nationalrat hingewiesen, (…). Erfreulicherweise (..) tut der Bundesrat hier bereits einiges, z. B. mit der tatkräftigen Hilfe von Schweizer Diplomaten beim Aufbau des Aussenministeriums Lettlands und mit der beabsichtigten Mithilfe bei der Schaffung eines funktionierenden Finanz- und Bankenwesens in Litauen und Lettland. Wenn der Bundesrat im Rahmen dieses Kredits vor allem auf die Hilfe von Kleinstaat zu Kleinstaat ein Schwergewicht legen wird, so darf er der Sympathie unseres Volkes gewiss sein, wie Beispiele zeigen. Ich erinnere etwa an die Sammlung, welche eine Aargauer Zeitung, das «Badener Tagblatt», bei seiner Leserschaft unter dem Motto «Gib Lettland die Hand» durchgeführt hat. Diese Aktion für eine bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung brachte bis jetzt über 170 000 Franken ein und zudem Medikamente und medizinische Geräte im Wert von rund 200 000 Franken. Im Zusammenhang mit den baltischen Staaten möchte ich die zuständigen Instanzen des EDA bitten, die Visaerteilung anders zu regeln, solange wir dort keine eigenen Vertretungen eröffnet haben. Noch immer muss sich z. B. ein Lette in der Schweizer Botschaft in Moskau ein Einreisevisum für die Schweiz besorgen. Wäre es nicht möglich, für eine Uebergangszeit mit der in Riga bereits eröffneten Botschaft des neutralen Landes Schweden bei Konsularangelegenheiten zusammenzuarbeiten, um den Letten in solchen Dingen endlich den Gang nach Moskau zu ersparen? Vielleicht könnte auch von der Schweiz aus die Initiative zu besseren postalischen Verbindungen ausgehen. Noch immer gehen Pakete z. B. nach Lettland über Moskau und sind oft monatelang mit hohem Risiko des Diebstahls, der Zensur usw. unterwegs, weil sie eben liegenbleiben.
Wir haben die Gewissheit, dass Woldemar Muischneeks Leserreise und seine Kontakte zum Aargauer Ständerat eine grosse Rolle nicht nur beim Wiederaufbau Lettlands sondern auch beim Aufbau der Beziehungen zwischen der Schweiz und Lettland gespielt haben. Die Gesellschaft Schweiz-Lettland möchte sich mit warmherzigem Mitgefühl Hans Kammers Worten über Woldemar Muischneek anschliessen:
Für mich eine sehr positive Erinnerung an eine durch und durch integre, sehr intelligente Persönlichkeit, von der ich viel gelernt und profitiert habe!

