25. Oktober 2020 im Grand Hotel Giessbach : Janis Silins und das Duo Arnicans heissen Sie mit der Geschichte Lettlands und Musik willkommen

Der lettische Historiker Jānis Šiliņš spricht zur Frage, wie die lettische Republik auch nach dem Einmarsch der Sowjettruppen im Zweiten Weltkrieg bis zur Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1991 weiterbestand. Der Historiker spricht am öffentlichen Anlass am Sonntag, 25. Oktober 2020, im Grand Hotel Giessbach im Berner Oberland. Danach folgt das Konzert des renommierten Musiker-Duos Arta und Florian Arnicans.

28. Generalversammlung 2020, Sonntag, 25. Oktober 2020, im Grand Hotel Giessbach im Berner Oberland, www.giessbach.ch. Die Generalversammlung ist um 11.30 Uhr. Danach haben Sie die Möglichkeit, ab 12.30 Uhr das Mittagessen für 45 CHF einzunehmen. Um 14 Uhr beginnt der öffentliche Teil mit einer Einführung von Herrn Thomas Krebs, Archivar des Grand Hotels Giessbach und Mitglied der Gesellschaft Schweiz-Lettland, und einem Vortrag des lettischen Historikers Jānis Šiliņš, Forschungsleiter der Abteilung für lettische Geschichte des Nationalarchivs der Republik Lettland, zum Thema des „Fortbestehens der lettischen Republik in der Sowjetzeit„. Danach hören wir ein Konzert des in der Schweiz lebenden lettischen Musikerpaars Duo Arnicans. Der Besuch der Veranstaltung ist ohne Übernachtung möglich, aber das Hotel liefert uns Spezialkonditionen, die Sie – sofern Sie Mitglied der Gesellschaft Schweiz-Lettland sind -, direkt beim Hotel anfragen können: Reservationen sind möglich unter dem Stichwort „Gesellschaft Schweiz-Lettland“ unter seminar-bankett@giessbach.ch oder unter der Nr. 033 952 25 04. Für eine Teilnahme an der GV und am öffentlichen Teil ist ausserdem SEPARAT EINE ANMELDUNG UNTER gsl@schweiz-lettland.ch obligatorisch, ob Sie nun Mitglied sind oder nicht! Die Gesellschaft Schweiz Lettland und das Grand Hotel Giessbach werden die Vorschriften, die Anzahl Teilnehmende und Abstände betreffen, strikt einhalten.

1. Dezember 2019: Dank aus Nereta für Hilfsprojekt der Gesellschaft Schweiz-Lettland

Danksagungen aus Nereta

Dieses Jahr erhielt die Gesellschaft Schweiz-Lettland zwei offizielle Dankesbekundungen aus Nereta in Südost-Lettland. Schön eingerahmt sehen Sie rechts das Dankes-Diplom der Gemeinde Nereta „für langjährige Zusammenarbeit und wertvolle Unterstützung der Einwohner der Gemeinde Nereta.“ Die Diplome wurden Frau Jana Limanovica übergeben, die unsere Finanzen betreut und u.a. auch den direkten Kontakt mit Nereta pflegt. Das Dankesschreiben links ist verfasst im Namen des Sportklubs „Saules“, der – obwohl wir keine sportlichen Aktivitäten haben – unser institutioneller Partner in der Zivilgesellschaft ist.

Foto unten: Übergabe der Danksagung an unser ehem. Vorstandsmitglied Regina Wirz in Nereta, Juni 2019. Links unser Partner Nauris Beļuns und rechts Leiter der Gemeindeverwaltung von Nereta, Herr Juris Zālītis.

Wir unterstützen Nereta weiterhin. Beachten Sie dazu unser Projekt (hier klicken).

Offizieller Besuch der GSL in Nereta

8. Juli 2019: Neuer Lettischer Präsident erwähnt die Schweiz als Vorbild

Teksts latviešu valodā – skat. lejā.

Am 8. Juli 2019 legte Egils Levits als neuer Präsident der Republik Lettland seinen Eid ab. Egils Levits ist Gast und Redner an Anlässen der Gesellschaft Schweiz-Lettland gewesen, vor etwa zwanzig Jahren und erst wieder 2018 zum hundertjährigen Jubiläum der Republik Lettland.

Vereidigung von Präsident Egils Levits am 8. Juli 2019 (Foto: Präsidialamt president.lv)

In seiner Antrittsrede erwähnte Egils Levits die Schweizer Verfassung als ein Vorbild für Lettland:

Das Schweizervolk und die Kantone, … gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen, … geben sich folgende Verfassung (usw.).

Er sprach als eine der grössten Herausforderung seiner Regierungszeit die Bekämpfung der Ungleichheit in Lettland an. Lettland steht gemessen am Gini-Koeffizienten für Ungleichheit unter 11 Staaten Ost- und Zentraleuropas an viertletzter Stelle. Grösser war die Ungleichheit gemäss Weltbank in Rumänien, Bulgarien und Litauen. Unter 19 Ländern der Euro-Zone stand Lettland 2016 an vierzehnter Stelle, weit hinter den drei am wenigsten ungleichen Gesellschaften Slowenien, Slowakei und Finnland, aber immerhin noch knapp vor Italien und Griechenland.

Das Zitat aus der Schweizer Verfassung stammt aus der im Jahr 2000 revidierten Präambel, die sich in diesem Punkt an einen Gedanken anlehnt, der sich beim amerikanischen politischen Philosophen und Gerechtigkeitstheoretiker John Rawls findet und der oft in folgender Formulierung zitiert wird: „Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“.

Für uns Mitglieder der Gesellschaft Schweiz-Lettland ist die Erwähnung der Schweizer Verfassung wie ein kleines Augenzwinkern des neuen Präsidenten, der sich scheinbar gut erinnert an seinen Auftritt an unserer Veranstaltung „Gründung der lettischen Republik 1918, deren Wiederherstellung 1990 und zur Zukunftssicherung der Staatsgrundlagen von 2014 aus verfassungspolitischer Sicht“. Den Vortrag hielt Levits am 27. April 2018 an der Universität Zürich nach einer Einführung von Rechtsprofessor Prof. Dr. Andreas Kley. Die Veranstaltung fand in Zusammenarbeit mit dem Europainstitut der Universität Zürich statt.

Wer der Vereidigung von Präsident Egils Levits diesen 8. Juli 2019 beigewohnt hat, kam – trotz Schweizer Bezug – nicht umhin, die grossen Unterschiede zwischen der Republik Lettland und dem Bundesstaat Schweiz v.a. im politischen Zeremoniell und symbolischen Stellenwert der Amtsträger zu bemerken. Die Medien waren weitgehend mit dem zeremoniellen und symbolischen Wert dieser Veranstaltung befasst, was zumindest insofern nicht erstaunt, als der Präsident eine weitgehend repräsentative Bedeutung hat. So darf er etwa in einer Villa am Meeresstrand in Jurmala Einsitz nehmen. Im Unterschied dazu ist der höchste Schweizer, die höchste Schweizerin in der Eidgenosschenschaft der Präsident oder die Präsidentin der Bundesversammlung. Die meisten Bürgerinnen und Bürger der Schweiz kennen deren Namen nicht.

Die grosse Symbolik des Präsidentenamtes erklärt vielleicht, wieso lettische Medien unendlich darüber stritten, ob Levits recht hatte, auf seiner Gästeliste die Ehepartnerinnen und Ehepartner der Ehrengäste nicht zu führen. Diese Anhängsel waren damit erstmals nicht eingeladen.

Egils Levits musste einen langen Eid ablesen, in dem er irrtümlich ein Wort für „Bewusstsein“ als „Gewissen“ ablas, was sehr ähnlich klang. Die strenge Präsidentin der Saeima Mūrniece brachte den Präsidenten aber dazu, den etwa halbminütigen Schwur nochmals zu lesen. (Link).

In der Schweiz limitiert sich die Vereidigung der Exekutivmitglieder (des Bundesrats) auf drei Wörter: „Ich schwöre es“. Die Ordnung sieht aber vor, dass diejenige, die das nicht bei Gott tun wollen, auch ohne Erheben der Schwurfinger können, mit den Worten „Ich gelobe es“. Dies führte erstmalig bei der Vereidigung der Bundesrätin Ruth Dreifuss und einer ihrer Nachfolgerinnen Simonetta Sommaruga zu entsprechenden Medienmeldungen auch in der Schweiz.

Die Gesellschaft Schweiz-Lettland hofft sehr, den neuen Präsidenten bald wieder in der Schweiz zu wissen und ermutigt unsere Regierung, sich um die Beziehung mit den baltischen Staaten aktiv zu bemühen.

Mit der Frage der Erneuerung der Kohäsionszahlungen des Bundes an osteuropäische Länder steht 2019 im Zusammenhang des Brexits und der Verhandlungen eines Rahmenabkommens ein grosser und wichtiger Brocken auf dem Tisch.

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Gruss in lettischer Sprache :

2018. gada 27. aprīlis Cīrihes universitātē: Toreiz Levita kungs uzstājās ar runu par Latvijas Satversmes rašanos, Latvijas valsts attīstību, kā arī šodienu („Entstehung, Wiedereinführung und Erneuerung der lettischen Verfassung“). Atbildēja uz auditorijā uzdotajiem jautājumiem. Šveices vizītē Levita kungu pavadīja arī Levitas kundze. Kas zina, varbūt tieši saistībā ar šo vizīti prezidenta kungs dziļāk izpētīja Šveices jauno (2000. gada) konstitūciju, kuras vārdus citēja savā pirmajā uzrunā Saeimā š.g. 8. jūlijā: „Tautas stiprums tiek mērīts ar to, kā klājas tās vājākajiem locekļiem.“

Tādējādi mums, Šveices – Latvijas biedrības pārstāvjiem, piešķirts liels gods par netiešu iesaistīšanos aktuālos procesos.

Prezidenta kungs! Sirsnīgi sveicieni no Šveices ar spēka, izturības un veiksmes novēlējumiem. Levitas kundze! Izdošanos visos darbos! Daudz pacietības!

Valsts prezidents Egils Levits pirmajā darba vizītē dosies uz Igauniju.

Sveicieni no pagātnes, sveicieni tagadnē un nākotnē!

Patiesā cieņā,

Biedrības Šveice-Latvija valdes locekļi

Egila Levita runa latviešu valodā Link.

Lettlandreise: über Semgallen und Lettgallen zurück nach Vidzeme

Rundales pils
Rundāles pils. / Schloss Rundāle.

Am gemütlichen Neumitgliederanlass der Gesellschaft Schweiz Lettland am 25. Januar 2020 präsentierte das ehemalige Vorstandsmitglied unseres Vereins, Regina Wirz, die Eindrücke von ihrer Lettlandreise, die sie von Riga über Semgallen und Lettgallen zurück nach Vidzeme führte. Regina Wirz besuchte dabei auch unser Hilfsprojekt in Nereta, Südostlettland. Sie können das reichhaltige fotografische Material dieser Erkundung in einer Präsentation im PDF-Format (hier) anschauen. Die Reise führt Sie über Riga nach Rundāle, Koknese, wo Sie das Kraftwerk Pļaviņas bestaunen, weiter über die Gedenkstätte Likteņdārzs bis nach Nereta, Daugavpils, Krāslava und Aglona, sowie zurück über Rēzekne und Krustpils nach Sigulda, Saulkrasti und wieder Riga.

11. Mai, Bern, Kulturlokal ONO – Unbekanntes Lettgallen

Im Rahmen unserer 27. Generalversammlung im Kulturlokal ONO in der Berner Altstadt empfangen wir drei hochinteressante Gäste, die uns in das Thema Lettgallen, den unbekannten, kulturell eigenständigen Südosten Lettlands, einführen werden. Wir hören den emeritierten Osteuropahistoriker der Universität Zürich, Prof. Dr. Carsten Goehrke, den lettgallischen Dichter, Philologen und Übersetzer und Gewinner des lettgallischen Kulturpreises „Bonuks“ Ivars Magazeinis und den Schweizer Künstler Vincent Flückiger, der uns musikalisch begleitet und seine Werke, die er als „Urban Sketcher“ in Lettgallen erstellt hat, präsentiert.

  • 09.45 Uhr, Generalversammlung (hier klicken)
  • 11 Uhr, Öffentlicher Teil: Lettlands unbekannter Osten – Lettgallen (hier klicken)
  • Vortrag Prof. Dr. Carsten Goehrke, „Lettgallen in der Geschichte“
  • Vortrag Ivars Magazeinis, „Was ist Lettgallen – Attraktionen Lettgallens – die lettgallische Frage“
  • Barocke Stücke vorgetragen von Vincent Flückiger auf der Laute
  • Gesprächsrunde zu Lettgallen mit Beteiligung des Publikums und Fragen an die Referenten
  • 13.20 Uhr, Vernissage der Ausstellung von Urban Sketcher Vincent Flückiger
  • 13.45 Uhr, Mittagessen (fakultativ) in der Brasserie Ratskeller (Anmeldung bis 7. Mai an gsl@schweiz-lettland.ch.

Wenn Sie nicht wissen, dass Lettgallisch eine eigene baltische Sprache (nahe beim Lettischen) ist, dass das einst polnisch-litauische Lehen eigene künstlerische (in Rezekne steht ein nagelneues Kulturzentrum), folkloristische und religiöse Traditionen besitzt (zu erwähnen sind etwa der katholische Wallfahrtsort Aglona, aber auch die orthodoxen und altgläubigen, lutheranischen, jüdischen und heidnischen Einflüsse) und dass der weltberühmte Mark Rothko in der Hauptstadt Daugavpils (Dünaburg) geboren ist, dann müssen Sie den Anlass besuchen. In Deutscher Sprache, mit Möglichkeit, auch Französisch und Lettisch zu sprechen. Statutarischer Teil nur für Mitglieder ab 9.45 Uhr, öffentlicher Teil ab 11.00 Uhr. Eintritt gratis. Als Mitglied der Schweiz-Lettland erhalten Sie zwei Getränkgutscheine: Damit können Sie ein Nichtmitglied einladen!

  • Einladung zum öffentlichen Anlass (hier klicken).
  • Einladung zur Generalversammlung (hier klicken).
  • Hinweis Kulturlokal ONO (Link).
  • Homepage Vincent Flückiger (Link).

Für das Essen nach dem Anlass in der Brasserie Ratskeller Bern, Gerechtigkeitsgasse 81, ist die Anmeldung bis spätestens 7. Mai obligatorisch an gsl@schweiz-lettland.ch oder 076 595 11 96.

Lettlands Demographie zwischen Emigration und Rückkehr

Demografische Entwicklung der lettischen Bevölkerung

Demografische Entwicklung der lettischen Bevölkerung

Wir machen Sie auf eine hochinteressante Sendung der Journalistin Brigitte Zingg von „Echo der Zeit“ und „International“ des Schweizer Radios SRF aufmerksam, die die Entwicklung der Bevölkerung in Lettland thematisiert. Brigitte Zingg berichtet unter anderem aus der Stadt Cesis, die junge Rückkehrer erfolgreich fördert. Sie können die Beiträge im Internet hören unter: Sendung „International“ von Radio SRF zur demografischen Entwicklung Lettlands (hier klicken). Die Sendung wurde erstmals am 25. August 2018 ausgestrahlt.

Der Aktionsplan des lettischen Wirschaftsministeriums zur Unterstützung von Rückkehrern stammt aus dem Jahr 2013 und umfasst einen Planungszeitraum von 2014 bis 2020:

  • Die Einwohnerzahl hat allein von 2000 bis 2013 um 307’000 Einwohner bzw. 13% abgenommen (davon gehen 188’000 auf Emigration zurück);
  • Auswanderungsgründe: niedriger Lohn; Personenfreizügigkeit; Zunahme der Arbeitslosigkeit (Bemerkung der Redaktion: die Arbeitslosigkeit nahm im Verlauf der Finanzkrise stark zu. 2018 leidet Lettland aber wieder an grossem Arbeitskräfte-Mangel).
  • bis 2020 wurde ein Wachstum von jährlich 4-5% prognostiziert; auf dieser Grundlage wird prognostiziert, dass bis 2030 120’000 neue Arbeitsplätze entstehen könnten, die durch auf dem heimischen Markt fehlende Arbeitnehmer besetzt werden müssen;
  • Ziel der lettischen Regierung ist es, diese Anzahl von Arbeitsplätzen durch lettische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger zu besetzen, nicht durch Einwanderinnen und Einwanderer anderer Staaten.
  • Als Hauptgründe für eine Rückkehr sind nicht nur neue Arbeitsplätze zu nennen, sondern eine Verbesserung des Lohnniveaus.
  • Ziel der Regierung war es seit 2014/ist es, nicht nur in Riga sondern auch in den Regionen Arbeitsplätze zu schaffen.
  • Notwendigkeit, den Minimallohn auf das Niveau konkurrenzierender Länder anzuheben und die steuerliche Belastung niedriger Löhne zu vermindern. Zum Vergleich: In Irland lag der Minimallohn 2011 bei 1462.- EUR, in Lettland der Durchschnittslohn aber nur bei 660.- EUR.
  • Eine strategische Rolle kam seit 2014/kommt für die Regierung die Unterstützung rückkehrender Familien bei der sozialen Absicherung, Lebensqualität und Ausbildungsmöglichkeiten für die Kinder zu.

Quelle: Dokument von J. Priede von 2013, lettisches Wirtschaftsministerium, „Reemigrācijas atbalsta pasākumu plāns“ (Link).

 

100 Jahre Lettland und lettische Verfassung: Egils Levits auf Einladung der GSL in Zürich, am 27. April 2018

EU-Richter Egils Levits hielt am 27. April 2018 an der Universität Zürich einen Vortrag

EU-Richter Egils Levits hielt am 27. April 2018 an der Universität Zürich einen Vortrag

Egils Levits‘ öffentlicher Jubiläumsvortrag „Entstehung, Wiedereinführung und Erneuerung der lettischen Verfassung“, Fr. 27. April an der Universität Zürich.

In seinem öffentlichen Vortrag auf Einladung der Gesellschaft Schweiz-Lettland, des Europa-Instituts und des Lehrstuhls für öffentliches Recht (Prof. Dr. Andreas Kley) präsentierte Egils Levits die 1922 angenommene, nach Weimarer Vorbild entstandene Verfassung der 1918 proklamierten Republik Lettland, die eine der ältesten heute noch gültigen Verfassungen hat. Zur Sprache kamen – auch im Vergleich zur Schweiz – die Rückkehr zur Verfassungsordnung und deren Reform: Während Lettland 1990 nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit zur alten Verfassung zurückkehrte, reformierte sie die Schweiz 1999. Die Bürger- und Volksrechte, die Staatsgrundlagen allgemein wurden heiss debattiert – in der Schweiz 1999, in Lettland 2014 bei der Einführung einer von Egils Levits inspirierten Präambel zur Verfassung.

Egils Levits ist Mitautor der Deklaration über die Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Republik Lettland vom 4. Mai 1990 und der 2014 angenommenen neuen Präambel der Verfassung der Republik Lettland. Er war Botschafter Lettlands für die Schweiz (1992-1993), lettischer Justizminister (1993-1994), und Präsidentschaftskandidat in seinem Land (2015). Seine Karriere als Jurist führte ihn von den Universitäten Hamburg und Kiel über den Schiedsgerichtshof der OSZE zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (1995-2004) und Europäischen Gerichtshof (seit 2004).

Der Anlass wurde umrahmt vom Schweizerisch-australisch-lettischen Trio Larsens mit Werken der lettischen Komponisten Jānis Mediņš und Helmers Pavasars.

100 Jahre Lettland mit Egils Levits, 26. April 2018

Einladung anschauen (hier klicken): 2018_04_27_Levits_Vortrag_Zuerich_100_Jahre_Lettland

Lettisch-Schweizerische Freundschaft in Europafragen

Am 21. Dezember 2017 verweigerte die Europäische Kommission die vollständige Anerkennung der Schweizer Börse, die nur für ein Jahr provisorisch auf dem Europäsischen Markt zugelassen werden soll.

Am 30. Januar 2018 berichtete das Welschschweizer Fernsehen RTS (–> Link) auf seiner Internet-Seite, dass 11 Mitgliedländer der Europäischen Union per E-Mail der Generaldirektion für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und Kapitalmarktunion mitgeteilt haben, dass sie für eine unbeschränkte Zulassung der Schweizer Börse seien.

Der Brief zur Unterstützung der Schweiz ist auch unterzeichnet vom lettischen Finanzministerium. Pikant ist dabei, dass diese Schweizer Angelegenheit sozusagen auch eine innerlettische Diskussion darstellt, denn der Empfänger ist niemand anders als der Vizepräsident der Europäischen Kommission, Finanzkommissar Valdis Dombrovskis, ehemaliger Premierminister Lettlands.

Die Gesellschaft Schweiz-Lettland begrüsst die Intervention des lettischen Finanzministeriums beim ehemaligen Premierminister Lettlands. Dieses Beispiel zeigt, dass die Schweiz Interesse hat, sich weiterhin um die Sympathie kleiner Mitgliedstaaten der Europäischen Union, wie Lettland, zu bemühen. Die Schweiz ist ein Land, das auch die Interessen kleiner Staaten verstehen kann. Ein Interesse, das oft auf Gegenseitigkeit beruht.

Ausschnitt aus der E-Mail von 11 Mitgliedstaaten an die Finanzdirektion der EU.

Ausschnitt aus der E-Mail von 11 Mitgliedstaaten an die Finanzdirektion der EU.